Freitag, 27. Juli 2012

dANKbAr

Es gibt so den ein oder anderen Teilnehmer, den würde man am liebsten einen Kakao kochen und ihnen zeigen, wie es gehen könnte, damit sie möglichst bald ein vernünftiges Leben führen können. So war es auch mit Herrn Z.
Herr Z. ist anfang 30, hat mal ein paar Semester Elektrotechnik studiert, dann aber mehrere Suchtproblematiken entwickelt. Zu Beginn der Maßnahme ist er selten da, bringt hie und da einen Krankenschein. Irgendwann entscheidet er sich es zu versuchen. Wenn er da ist, glänzt er mit Höflichkeit und Zurückhaltung, man möchte ihn als fast scheu bezeichnen. Wenn er im Einzelgespräch sitzt, schaut er einem nie in die Augen, seine Arme sind uneben von den vielen parallel verluafenden Narben.
Gegen Ende der Maßnahme fehlt der Teilnehmer nochmal, schreibt aber E-Mails, mal mehr, mal weniger freundlich. Die letzten vier Wochen ist er dann wieder anwesend. Nach dem Abschlussgespräch sieht man nur nochmal seinen Kopf in der Tür: Er habe sich einiges Positives aus der Maßnahme ziehen können und vielen Dank für die Geduld mit ihm-dann ist er schneller weg als man hätte darauf reagieren können, nur die Gänsehaut bleibt zurück.

(Herr S.)

Dienstag, 24. Juli 2012

KindEr, kINDeR

Der Teilnehmer ist 25 Jahre alt. Seine Partnerin etwas älter.
                                                    Sie hat eine Tochter.
                   Gemeinsam hat das Paar zwei Kinder.
                                                    Sie bekommt bald das vierte Kind, nicht vom Teilnehmer.

Der Teilnehmer fehlt einen Tag ohne Abmeldung. Darauf angesprochen erzählt er, dass seine Partnerin auging und ihn für mehr als 24 stunden mit den Kindern allein ließ. Hochschwanger.


(Frau K.)

beRichT

Am Ende des Aufenthalts eines Teilnehmers in der Maßnahme muss der Sozialpädagoge einen Bericht verfassen, eine Art Resümee. Auffällig:

- Kontakte sind telefinonisch
- dem Lebenslauf rennt man schon seit vier Monaten hinterher
- eigentllich wusste die Teilnehmerin seit Februar, dass es mit der Betreuung für ihr geistig beeinträchtigtes Kind in den Sommerferien schwierig wird: man telefoniert 2 volle Tage durch die ganze Stadt, bekommt am Ende genau den Namen der Person, die man zu erst angerufen hat um dann festzustellen, dass der Antrag in Frage bereits gestellt wurde und alle Unterlagen vorliegen. Anruf bei der Teilnehmerin um ihr die guten Nachrichten mitzuteilen: das Kind in Frage geht ans Telefon "die Mama ist beim Onkel". Anruf auf dem Mobiltelefon der Teilnehmerin:sie sei gerade im Keller...


(Frau K.)

kRaNK

Ein Teilnehmer fehlt seit über einer Woche unentschuldigt. Anruf wegen des Krankenscheins- Teilnehmer gibt an, ihn in den Briefkasten des Trägers geworfen zu haben, vor mehr als 20 Tagen. wir wissen von nix. Er stimmt ein die eingescannte Version des Kranknescheins nochmal an uns zu schicken.
Die E-Mail kommt und auf dem Krankenschein steht ein vollkommen anderer Name, der auf einen Migrationshintergrund hinweist. Erneuter Anruf beim Teilnehmer: er hat bisher kein Auge auf den Krankenschein geworfen, der Fehler des Arztes ist ihm nicht aufgefallen....

(Frau K.)

Montag, 23. Juli 2012

EiNLaduUnG

Im Innenhof des Maßnahmegebäudes:

Ein Teilnehmer (ca. 60 Jahre, 150cm) verkündet mit laustark, dass heute sein letzter "Arbeitstag" sei. Glück- und Erholungswünsche für den Urlaub und die anstehende Kur werden ausgesprochen, dann er:
     "Und danach fahre ich noch privat in den Urlaub, nach Polen mit meiner Mutter!"
"Na dann wünsche ich Ihnen viel Spaß!"
     "Wolln' se nicht mitkommen?"
"Lieber nicht."
     "Warum?"
"Zu viel zu tun." (schon im gehen)
     "Ach komm', lass die Scheiße liegen ..." (ruft er noch, der Rest ist zum Glück nicht mehr zu verstehen)


(Frau K.)

Freitag, 6. Juli 2012

beWERBunG

ein sehr häufig in unserem Büro anwesender Teilnehmer kommt zum xten Mal vorbei und bringt eine seiner höchst eigensinnigen Bewerbungen zum Kontrollieren vorbei. Auf dem Weg nach Draußen murmelt er ncoh etwas unverständlich aber mit großem Strahlen:
     "Ich wünsche Ihnen noch ein wunderschönes Wochenende"
Die Kollegin, noch vollkommen in ihren Bericht vertieft antwortet:
"Ist schon in Ordnung."

Dabei ging es doch gar nicht mehr um seine Bewerbung...

(Frau B.)

wOCHenENDE?

Am Ende einer Arbeitswoche bin ich gleichzeitig komplett alle und kurz vor dem Platzen. Ich habe diese Woche zugesehen wie sich eine Teilnehmerin, gerade so angetrocknet von der letzten Traufe, wieder direkt ins nächste Gewitter manövriert. Ich suchte diverse Teilnehmer und fürhrte zum Teil sehr seltsame Telefonate, ich ließ mch sogar anschreien.
Ich fühle mich jetzt am  Freitag, kurz nach 11, als ob ich gleich Feierabend hätte. Was ich dann mache, kann ich mich aber noch nicht entscheiden: absacken in der Wohnung oder raus. Meiner inneren Betriebsamkeit zufolge muss ich raus, Dampf ablassen- was auch immer das bedeuten mag, mitten in der Sommerpause...

(Frau K.)

Mittwoch, 4. Juli 2012

anRuF

Anruf eines Teilnehmers, dem eine Zwangsräumung droht:

     "Hallo? Frau A? Ich möchte Ihnen grad mal ein Lächeln ins Gesicht zaubern, ich habe gestern den
      Schlüssel bekommen, nur dass sie bescheid wissen"
"Hallo Herr XY, ist das der Schlüssel für eine eigene Wohnung? Haben Sie die Genehmigung vom Jobcenter dafür?"
     "Nee, das ist due Bude von nem Kumpel, ich kann da mein Zeuch neintragen."
"Achso, ok. Dann weiß ich bescheid und sag überall bescheid, dass sie nicht vermisst werden"
     "Ja, is' bloß dass ich alles aleene schleppen muss. Moment bitte..."
     [rumpelnde Geräusche aus dem Hintergrund "Was ist denn jetzt hier los? ;Ach leck mich doch am 
     Arsch! " und ähnliches]
     "Hallo?, ja entschuldigung, dieser Automat wollte Bargeld..."
"Ja, das ist aber nun mal so, ich seh sie dann ja morgen, da klären wir wie es weitergeht"
     "Ich war ja auch gestern beim Zahnarzt [genaue Ausführungen] "
"Herr XY das besprechen wir alles morgen, wenn sie wieder hier sind. Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen!"
     "Ja, und was machen Sie heute noch so?"
"Arbeiten wie immer, ich muss jetzt auch auflegen, da kommt gerade ein neuer Teilnehmer."
[Eine Kollegin ruft laut aus dem Hintergund sie brauche Unterstützung, damit das Gespräch beendet werden kann]


(Frau K.)

Dienstag, 3. Juli 2012

nAcHFRaGe

Die Teilnehmerin ruft an, um zu sagen, dass ihr Kind krank ist.
Wir informieren sie, dass ein Krankenschein nötig ist, da der Tag sonst als unentschuldigt gilt.
Es sei ihr egal, sie gehe nicht zum Arzt, knallt den Hörer auf.

Zwei Tage später die Begründung für den rüden Abgang:
Wir hätten nicht nach dem Befinden des Kindes gefragt und dies sei unhöfllich.
...

(Frau K.)

sUcHT

Chaos und Stress, mittendrin Erstgespräch mit einem rotgesichtigen Teilnehmer:

"Gibt es irgendwelche Einschränkungen bei Ihnen, Herr XY?"
     "?"
"Na.. haben Sie ein Suchtproblem?"
    "Also ich habe schon ein verändertes Trinkverhalten."
...

(Frau K.)